Angel's Call

2011

 

„Angels Call“ kam über die Schauspielerin Julia-Maria Köhler zu mir. Sie hatte die Idee zu diesem Kurzfilm und bat mich Unterstützung.

Ich entwickelte den geografischen Zusammenhang der Szenen und gemeinsam „lösten“ wir den Film auf. Das heißt, wir legten fest welche Einstellungen gedreht würden.

 

Dann bereiteten wir den Film vor.

Julia-Maria fragte ihre Freunde und Nachbarn, ob sie die kleinen Episodenrollen spielen würden.

 

Ihnen gebührt mein größter Respekt. Architekt, Webdesigner, Anwalt, alles dabei. Ohne zu wissen, was „Film“ bedeutet, haben sie ihre Rolle glaubhaft gespielt.

 

Der Drehplan sah ein entspanntes Wochenende vor. Samstag, Sonntag mit jeweils 8 Stunden Arbeit und anschließendem Grillen.

Doch dann rief unser Kameramann an, er sagte, er hat leider nur einen Tag Zeit !!!!

Jetzt war Dispositionsgeschick gefragt. War das machbar? Konnten wir es schaffen diesen Film an einem Tag zu drehen???

 

Ich rechnete, schob hin und her, zählte die Einstellungen und stellte einen minutiösen Tageszeitplan.

Er beginnt morgens um 6 Uhr und endet bei Sonnenuntergang um 21:20 Uhr. 

 

 

80 Einstellungen in 16 Stunden.

 

Darin enthalten unter anderem: diverse Fahraufnahmen mit dem Motorrad, eine Kampfszene und ein „beinahe“ Autounfall.

Eigentlich nicht möglich. Zu viel, zu aufwendig, zu anstrengend für alle.

 

Aber es musste gehen, alles war organisiert, die Leute hatten Zeit und es sollte das einzige Wochenende mit Sonne sein.

Der Plan stand, die Disposition war geschrieben und wir arbeiteten sie ab. Einstellung um Einstellung. 

 

Um Punkt 21:20 Uhr waren wir fertig.

80 Einstellungen in 16 Stunden.

Danke Julia-Maria Köhler für Dein Vertrauen in mich.

 

 

 

 

eF.Teh.aiR

2005 - 2007

Zunächst gab es meinen Wunsch einen Langfilm zu drehen. Danach hatte das Drehbuch einige Produzenten, Dramaturgen und Redakteure, die jede Menge eigener Ideen mitbrachten, zu überstehen.
Bis zu dem Tag, als ich beschloss den Film eF.Teh.aiR, selbst zu drehen. Nun ohne abgesicherte Finanzierung.

Ab diesem Zeitpunkt kam Unterstützung von allen Seiten. Zuerst waren es Freunde, die halfen: Schauspieler, Kameramann, Maskenbildnerin, Kostümbildnerin, Toningenieure, Bildausstattung und dergleichen. Alles Menschen die Lust auf ein solches Wagnis hatten.


Wir wurden der „Strangepool“, eine Gruppe Filmschaffender, jeden Alters, aus allen Sparten der Branche.

 

Der Plan war, in kleinen Dreheinheiten von maximal fünf Tagen, den Film in sechs Drehblöcken über das Jahr verteilt zu drehen.

Daraus wurden:

16 Monate und insgesamt 24 Drehtage in 7 Blöcken.

Die Unterstützung wuchs beständig, zu den Freunden und den Freunden der Freunde, gesellten sich bald auch andere Interessierte, die sich begeistern ließen. 

So räumte uns Mercedes Benz einen Großteil ihres Parkplatzes frei, damit wir dort eine Kamerafahrt (mit Sackkarren!) drehen konnten.

 

 

Der Sackkarren erwies sich übrigens als sehr nützlich, siehe Film.

Die MORUSMEDIEN POOL überließen uns, in freien Produktionsphasen ihrer Firma, die Schnittplätze. AVID stellte uns eine Festplatte für einen unfassbar langen Zeitraum zur Verfügung, so dass wir das gedrehte Material überhaupt verarbeiten konnten.

Die Geschichte, zwei Frauen verlieben sich, hatte ich bereits beim Schreiben auf Innenräume angelegt. 

 

Nicht nur, weil es um das Innenleben der Figuren geht, sondern, weil ich so den Dreh für einen Sommerfilm, bereits im Winter beginnen konnte. Praktische Überlegungen ergaben ein Stilmittel des Films.

Während meiner Vorbereitung den Film aufzulösen (Storyboard), achtete ich darauf so wenig Einstellungen wie möglich zu planen, so dass ich beim Drehen so viel wie möglich an einem Tag einfangen konnte. So kommt es, dass wir oft nur eine Seite des Raums sehen, so wie die Figuren erst mal nur eine Seite ihrer Sicht zeigen. Auch hier wurde eine praktische Überlegung zu einem Stilmittel.

Der Drehplan sah vor, dass wir bereits im ersten Block (Januar 2005) sehr viele Szenen andrehten. Es war unumgänglich in alle Richtungen Anschlüsse zu setzen.
Und dann passierte etwas: Wir entwickelten uns von Drehblock zu Drehblock und der Film wuchs mit uns.
Würde der Plan aufgehen? Funktionierten unsere Ideen vom Anfang jetzt noch?
Spannend war auch die Arbeit von Maske und Kostüm. Anschlüsse und Entwicklungen der Figuren über einen solchen Zeitraum zu halten, ist das machbar?

Als wir nach sechzehn Monaten endeten, waren wir alle sprachlos, wie nahtlos sich unsere Arbeit vom Anfang in die Arbeit vom Ende einfügte. Alles ging auf.

Oft hatte ich das Gefühl, das sich der Film erzählen will. Er hatte sehr schnell eine ganz eigene Kraft und Art sich mitzuteilen. Es kam immer nur darauf an mitzugehen.

Mitzugehen, wenn Schauspieler auf unüblichen Wegen zum Projekt kamen. Es gab keine Castings. Wir fanden uns, weil wir uns finden sollten.

Die zweite Hauptrolle kam über eine Leseprobe zu uns und brachte dann ihren Ehemann als ihren Filmpartner mit.

Als ich Karin Düwel als Rolle Mutter andachten, recherchierte ich im Internet ihre Agentur.

Spaßeshalber schaute ich bei den Männern auf der Suche nach einer Vaterfigur. Spontan gefiel mir Dietmar Lahaine und ein Gedanke war, dass Karin Düwel ihn kennt und mit zum Projekt bringt.

So war es dann auch.

Es hieß aber auch mitzugehen, wenn ein Darsteller, der bereits aufwendig angedreht war, kurzfristig keine Zeit mehr hatte. Das bedeutete für mich einige Drehbuchänderungen und einen harten Schnitt in Kauf zu nehmen, da ich ihn umbesetzten musste. Darauf zu vertrauen, kurzfristig Ersatz zu finden. Der dann auch bis zum Schluss bleibt. 

Darauf vertrauen, dass es immer weitergeht. Nicht verzweifeln, wenn sich der Drehplan von Block zu Block verändert, weil sich entweder die Motive nicht finden lassen, oder Schauspieler keine Zeit haben. Offen bleiben, wenn die Departments mit Ideen kommen, die sich meiner Vorstellung entziehen. 

Und dann war alles Material gedreht. Aber das Mitgehen hört nicht auf. Der Cutter bot seine Interpretation an, die sich in Teilen von meinem Storyboard entfernte, aber funktionierte. Und wieder zeigte uns der Film, was sich Schneiden ließ und was nicht. Plötzlich lag Bild 116 hinter Bild 129.
 

Dann kam die Musik. Ein Arbeitsschritt bei dem meine Fähigkeiten enden. Außer meinem Gefühl, konnte ich nichts beisteuern. Musik ist eine Geschichte in der Geschichte. Sie interpretiert neu, verändert Momente, den Ausdruck der Figuren. So war es auch bei eF.Teh.aiR. Wieder einmal hieß es zu vertrauen und mitzugehen.

 

Ein Film ist nie die Arbeit eines Einzelnen.

Im besten Fall ist es die Arbeit Vieler an einer Vision.

Eine Vision, die der Kopf des Ganzen (Regie) vorzugeben hat und dann verabschieden muss.

Loslassen.


Das Schöne bei dieser Arbeit an eF.Teh.aiR war, dass wir uns ausschließlich selbst verantwortlich waren.

In diesem Rahmen konnten wir tun und lassen was uns gefiel. Das machte uns die Arbeit leicht und spaßig.

Ich denke, das hat sich auf den Film übertragen.

 

Danke an alle eF.Teh.aiR ler/innen

 

 

 

Queen Lah T. Nedo

2000

 

Queen Lah T. Nedo entstand während der Dreharbeiten zu einem Ulrike Folkerts Tatort.

Wir, das Team, entwickelten schnell eine gemeinsame Dynamik und schon bald kristallisierte sich der Wunsch nach einem eigenem Film.

Schon saßen wir zusammen und jeder erzählte eine Lieblingsszene aus einem Actionfilm. Daraus „storyboardelte“ ich unseren Film.

Wir fingen parallel an, zu den Dreharbeiten zum Tatort, den Kurzfilm vorzubereiten.

Ich fragte Ulrike, ob sie die Queen spielen wollte und sie wollte. Ich drehte ihren Tatort Namen "Odenthal" um und hatte den Filmtitel.

Die Garderobiere nähte Ulrike das Kostüm. Die Maskenbildnerin entwickelte den „blauen“ Look. Der Kameraassistent bastelte sich eine kleine Steadycam für seine Kamera, mit der er sehr wendig die Aufnahmen einfing. Die Requisite besorgte uns die Waffen. Vom Licht bekamen wir Lampen. Die Produktionsleitung sicherte uns mit den Special Effects ab und brachte uns in der Drehzeit Pizza. Die Baubühne bastelte uns das Endmonster und alle anderen fleißigen Helferlein nähten den, aus dem Team gesammelten Socken, Zungen und Schwänze an, so das sie die Gegner für Ulrike, pardon, für Queen Lah T. Nedo wurden.

Wir drehten ein Wochenende und schnitten zwei Nächte.

Queen Lah T. Nedo lief erfolgreich auf internationalen Festivals.

 

 

 

 

Lunatic

1996

 

„Lunatic“ war mein erster Kurzfilm. Ich drehte ihn 1996.

Ich weiß noch, wie mir wenige Tage vorm disponierten Drehwochenende, meine Hauptdarstellerin absagte. Was nun?

Alles war organisiert. Ich hatte eine komplette Crew, die umsonst arbeiten wollte. 16mm Filmmaterial, was mir ein Kollege stellte, der immer die Reste von anderen Drehs gesammelt hatte. Meine Lichtcrew bot mir ihr Equipment von ihrem laufenden Dreh an. Inklusive des Dollys. Sogar ein kleiner Kran war dabei. Alles war bereit. Ich konnte doch nicht absagen.

Ich rief meine Zweitbesetzung an. Die lag fiebrig im Bett. Die nächste Kollegin war im Urlaub und mir fiel niemand mehr ein.

Dann, kurz vorm Dreh, holte ich abends Suzanne von Borsody vom Flughafen ab. Ich erzählte ihr von meinem Problem und sie meinte, sie hätte Zeit.

Ich konterte, dass die Rolle jünger angelegt sei. Sie erwiderte lapidar: „Dann schreib sie älter.“

Das tat ich und es war mein Glück. Ich kann mir keine bessere Besetzung als sie vorstellen.


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